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Zwangsstörung – Wikipedia

Zwänge Ursachen

Nach dem Zwei-Faktoren-Modell von Mowrer besteht ein zweistufiger Lernprozeß. Zunächst kommt es zu einer Ausbildung einer Angstreaktion durch Klassische Konditionierung. Ein ursprünglich neutraler Stimulus (z.B. Schmutz) wird durch Kopplung mit einem traumatischen Ereignis ebenfalls angstauslösend. In der Folge löst der ursprünglich neutrale Stimulus eine Angstreaktion aus. Es kommt nicht zur Löschung, weil die Ausführung bestimmter Verhaltensweisen (z.B. Waschen) zur Angstreduktion bzw. zum ausbleiben der erwarteten Angstreaktion führt (Operante Konditionierung). Das Vermeidungsverhalten wird kontinuierlich negativ verstärkt (C-). Der konditionierte Stimulus (CS) wird zum diskriminativen Hinweisreiz auf aversive Konsequenzen (CR) und die Person versucht die Situation zu beenden oder zu vermeiden. Bei Zwängen spricht man von aktivem Vermeidungsverhalten: die Person entwickelt neue aktive Strategien, um sicherzugehen, dass ein gefürchtetes Ereignis nicht eintritt. Im Gegensatz zur phobischen Störung ist heir der angstauslösende Reiz nur sehr unscharf definiert, daher sind zusätzliche aktive Strategien notwendig. Bei Phobien bestehst passives Vermeidungsverhalten (Auslöser klarer umgrenzt)

Das Zwei Faktoren Modell ist in seiner Wichtigkeit unbestritten, allerdings eher für die Aufrechterhaltung, weniger für die Genese von Zwängen. Die daraus entwickelte Therapie ist die Konfrontation mit Reaktionsverhinderung. Das Modell kann nicht Zwangsgedanken erklären.

Zwänge Ursachen nach dem kognitiv-behavioralen Modell von Salkovskis (1989): Dies beruht auf dem klassischen Zwei-Faktoren-Modell von Mowrer (1947) und erweitert dieses um kognitive Elemente.

Ausgangspunkt: Man unterscheidet bei Zwängen zwei Komponenten mit unterschiedlicher Funktion:

1. Gedanken, die Stimulus-Charakter haben (z.B. „Ist der Herd aus?“): drängen sich gegen den Willen auf, daher als aufdringliche oder intrusive Gedanken bezeichnet.

2. Anteile des Zwangsproblems mit Reaktionscharakter: absichtlich ausgeführte Strategien (Neutralisiation), mit dem Ziel dinge zu verhindern oder ungeschehen zu machen.

Grundsätzlich ist das Auftreten von aufdringlichen Gedanken völlig normal (tritt bei 90 % aller Menschen gelegentlich auf). Bei emotionaler Anspannung werden diese Gedanken häufiger.

Die aufdringlichen Gedanken erlangen ihre Bedeutung erst in einem Prozeß der Selektion und Bewertung. In diesem Filterprozeß liegt der Schlüssel zum Verständnis der Zwangsstörung. Pat. reagieren aufgrund von dysfunktionalen Überzeugungen mit katastrophisierenden Fehlintepretationen auf die aufdr. Gedanken. Diese werden als höchst relevant, negativ und nicht zulässig bewertet. Diese Bewertungen lösen emotionale Reaktionen aus (Unruhe, Erregung, Angst), welche einen Handlungsbedarf impliziert und zur Ausführung des eigentlichen Zwanges (Neutralisierung) führt (Funktion: Abwenden von Unheil).

Effekte der Rückkopplungsprozesse:

1. Die Neutralisierung wirkt kurzfristig angstreduzierend, langfristig wird der Pat. im Glauben bestärkt, es wäre tatsächlich zu einer Katastrophe gekommen, wenn er sich anders verhalten hätte. Der Pat. wird von der Wirksamkeit seines Verhaltens als präventive Maßnahme überzeugt, diese Erwartung macht den Einsatz weiterer Neutralisierungsstrategien wahrscheinlicher.

2. Die dysfunktionalen Annahmen werden verstärkt, welche Einflussmöglichkeiten und damit Verantwortung sie für das Nicht-Eintreten der Katastrophe tragen („Ich mache mich schuldig, wenn ich etwas Schlimmes nicht verhindere.“). Normalerweise „Omission error“: Normale Personen fühlen sich für aktive Handlungen und deren Folgen stärker verantwortlich als für Handlungen, die sie unterlassen haben. Zwangspatienten fühlen sich besonders verantwortlich für Handlungen und Gedanken, deren Unterlassung möglicherweise problematische Folgen haben können.

3. Durch Neutralisierung wird die Bedeutsamkeit und damit die Auftretenswahrscheinlichkeit der aufdringlichen Gedanken erhöht.

Einfluß affektiver Störungen auf Zwänge: Stimmungsbeeinträchtigungen erhöhen die Zugänglichkeit und Akzeptanz der dysfunktionalen Kognitionen, so dass hierüber nochmals die Relevanz und die Frequenz der Gedanken ungünstig beeinflusst wird.

Zwei charakteristische Merkmale der inadäquaten Bewertungsprozesse:

1. Die Wahrnehmung einer Bedrohung, d.h. die Überschätzung der Wahrscheinlichkeit eines negativen Ereignisses (Gemeinsamkeit zwischen Zwängen und Angststörungen).

2. Die Überschätzung der persönlichen Verantwortung, d.h. die Konsequenzen eines negativen Ereignisses (Gemeinsamkeit zwischen Zwängen und Depressionen).

Diese interagieren miteinander und potenzieren sich in ihrer Wirkung.

Hinter den Bedrohlichkeitsgefühlen und damit Zwängen stehen letztendlich dysfunktionale Überzeugungen, die sich um Themen der Wertlosigkeit, Schuld und Ablehnung durch andere drehen und die den depressogenen Grundannahmen sehr ähnlich sind.

Ob Zwänge Ursachen haben, die mit genetischen Faktoren zusammenhängen ist abschliessend bisher noch nciht geklärt.